Ausgangspunkt ist für mich stets die vom Küchenchef konzipierte „Architektur“ sowie die Art und Weise, wie er sein Gericht präsentieren möchte. Hinter jeder Komposition stecken eine Idee, besondere Rohstoffe und eine Geschichte. Meine Aufgabe als Fotografin besteht nicht nur darin, das Ergebnis festzuhalten, sondern alle Elemente, die ein Gericht ausmachen, so ansprechend wie möglich darzustellen – wobei ich auf die Beleuchtung und den Aufnahmewinkel ebenso achte wie auf Textur, Farbe und Details.

Die Food-Fotografie ist für mich ein Mittel, um Geschichten zu erzählen. Durch das Bild versuche ich, die Emotion, die ein Gericht hervorruft, aber auch die Vision des Küchenchefs wiederzugeben, wobei stets der Respekt vor den Rohstoffen im Mittelpunkt steht. Besonders wenn ich mit griechischen Produkten – ob mit oder ohne geschützte Ursprungsbezeichnung – arbeite, empfinde ich eine besondere Verantwortung. Diese Produkte repräsentieren einen Ort, ein Klima, Menschen und Traditionen. Die Kamera soll ohne Übertreibung ihre Natürlichkeit unterstreichen und sie durch ihre Authentizität „sprechen“ lassen.

Deshalb findet vor jedem Fotoshooting ein Treffen mit dem Küchenchef statt. Wir besprechen die Reihenfolge der Gerichte, den Ablauf, aber vor allem die Architektur und die Philosophie hinter jeder Komposition. Die Art und Weise, wie ein Koch mit den Rohstoffen umgeht, bestimmt auch meine Herangehensweise. Kooperationen wie die mit Panagiotis Retzis im Nobu oder mit Stamatis Skriapas im Onuki haben mir gezeigt, wie wichtig dieser Dialog zwischen dem kulinarischen Gedanken und dem fotografischen Blick ist.

Wenn wir über Restaurants sprechen, bleiben wir nie nur beim Gericht. Ziel ist es, ein Gesamterlebnis wiederzugeben: die Beleuchtung des Raums, die Ästhetik, den Service, die Atmosphäre. All dies bildet den Rahmen, in dem die griechischen Produkte eine Rolle und Bedeutung erlangen. Die Fotografie soll diese Gesamterfahrung vermitteln – anstatt nur ein schönes Bild zu ergeben.

Dabei geht der Trend in der Food-Fotografie zur Verwendung des RAW-Formats, und diesem folge auch ich seit Jahren. Mein Lieblingsmoment bei einem Shooting ist, wenn ich Desserts fotografiere, denn am Ende essen wir sie! Und dann fotografiere ich den Teller noch einmal: Die Zerlegung, das Durcheinander, die Spuren, die der Verzehr hinterlässt, gehören für mich zum Erlebnis des Essens dazu. Ich zeige also nicht nur „perfekte” Gerichte, sondern vielmehr Bilder, die eine Erfahrung erzählen.

In einer Zeit, in der künstliche Intelligenz makellose Bilder erzeugen kann, gewinnt der menschliche fotografische Ansatz noch mehr an Wert. Mit der richtigen künstlerischen Leitung, mit Gefühl und Respekt vor den Rohstoffen kann die Fotografie wesentlich dazu beitragen, die griechische Gastronomie und die Produkte hervorzuheben, auf denen sie basiert.

Katia Dede, Fotografin.