Soultana-Maria Valamoti, Professor, School of History and Archaeology, Aristotle University of Thessaloniki
Bereits im Mesolithikum Griechenlands, noch lange vor dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht, die die Nahrungsbeschaffung der Bewohner der Region veränderten, scheint das Meer einen beeindruckenden Reichtum an Nahrungsmitteln, Fischen und Weichtieren geliefert zu haben. An archäologischen Stätten wie der Franchthi-Höhle in der Argolis und der Zyklopenhöhle in Gioura auf Alonissos wurden zahlreiche Thunfischknochen gefunden. In der Zyklopenhöhle belegen zooarchäologische Funde neben Thunfisch auch den Fang einer Vielzahl anderer Fische wie Drachenkopf, Dorade, Wolfsbarsch, Makrele und andere. Die Ausgrabungen dort brachten zudem viele Knochenhaken aus dem Mesolithikum hervor. Obwohl dies in archäologischen Funden weniger deutlich erkennbar ist, spielte die Nutzung mariner Nahrungsmittel in Küstenregionen eine wichtige Rolle. Eine große Vielfalt an Fischen ist in den zooarchäologischen Funden des Neolithikums (7.–4. Jahrtausend v. Chr.) und der Bronzezeit (4.–2. Jahrtausend v. Chr.) sowie in den darauffolgenden historischen Jahren nachgewiesen, mit einer großen Bandbreite an Fängen aus Meer und Süßwasser.

Abbildung 2.1.a. In Öl eingelegter Fisch, Thessaloniki 2025. Foto von S. M. Valamoti
Aus antiken Texten geht hervor, dass Fisch den wohlhabenden Gesellschaftsschichten vorbehalten war. Dies lässt sich beispielsweise in den Werken des Komödiendichters Alexis (4.–3. Jahrhundert v. Chr.) erkennen, den Athenaios zitiert. In einem Werk wird tatsächlich erwähnt, dass jemand, der arm ist und dennoch Fisch kauft, wohl in der Nacht andere bestohlen hat.
Einige Fische waren in der Antike berühmt und werden in altgriechischen Texten häufig erwähnt. Ein Beispiel hierfür sind Aale, die bereits von Homer in der Ilias erwähnt werden. Archestratos (4. Jahrhundert v. Chr.) preist alle Aale als Delikatesse, wobei er jene hervorhebt, die in der Straße von Rhegium bei Messina in Süditalien gefangen wurden, und er gibt an, dass er sowohl die Aale aus dem See Kopaïs in Böotien als auch die aus dem Strymonas in Mazedonien schätzt.
Abbildung 2.1.b. In Salz eingelegter Fisch, Thessaloniki 2025. Foto von S. M. Valamoti

Neben großen Fischen finden sich zahlreiche kleine Fische, z. B. Atherini, Sardinen, Aphii (ein Begriff für kleine Schaumfische) und viele mehr. Diese kleinen Fische, die in der Gegend um Faliron in Attika häufig vorkamen, scheinen kurzzeitig bei sehr hoher Hitze geröstet worden zu sein, vor allem die der Art Aphii. Hinweise auf kleine Fische sind in der altgriechischen Literatur des 5. Jahrhunderts v. Chr. häufig.
Ein gängiges Verfahren zur Konservierung von Fisch war das Salzen. Offenbar wurde eingesalzener Fisch auch importiert, wie uns der Komödiendichter Alexis aus dem 4.–3. Jahrhundert v. Chr. berichtet (nach Angaben des Athenaios), und diese Tätigkeit war so bedeutend, dass die Söhne eines Importeurs solcher Fische die Ehre erhielten, Athener Bürger zu werden.
Die Vielfalt von Fisch im antiken Griechenland und ihres Verzehrs sowie viele der Fischnamen leben bis heute fort, ebenso wie die alte Tradition, dass Fisch, insbesondere große Exemplare, eine teure Delikatesse war.
Literatur
Ein Teil der Informationen ist aus den folgenden Texten entnommen:
Dalby, A.E. W. 1996. Siren Feasts: A History of Food and Gastronomy in Greece
Mylona, Dimitra (2007) Fish-eating in Greece from the fifth century B.C. to the seventh century A.D. : a story of impoverished fisherman or luxurious fish banquets? University of Southampton, Doktorarbeit.
Rena Veropoulidou 2014. Όψεις της διατροφής και του υλικού πολιτισμού της Νεολιθικής και της Εποχής Χαλκού στην κεντρική Μακεδονία. Μια οστρεοαρχαιολογική προσέγγιση (Aspekte der Ernährung und materiellen Kultur im Neolithikum und der Bronzezeit in Zentralmakedonien: Erkenntnisse aus Muschelanalysen). Im Band E. Stefani, N. Merousis, A. Dimoula (Hrsg.), A century of research in prehistoric Macedonia. International Conference Proceedings. Archaeological Museum of Thessaloniki, 22–24 November 2012
und
Theodoropoulou, T. (2023). Same sea, different catches. Exploring ecological variations vs. Human choices in prehistoric Mediterranean: The Aegean case. PALEO. Revue d’archéologie préhistorique, (Sonderausgabe), 176–194.





