Abbildung 1. Chachles aus Lesbos (links) und Weizen-Trahanas (rechts), Foto von S. M. Valamotis, Juli 2025.

Soultana-Maria Valamoti, Professor, School of History and Archaeology, Aristotle University of Thessaloniki

Trahanas ist gleichzeitig eine Zutat mit erstaunlichen ernährungsphysiologischen Eigenschaften und ein Rezept, das viele Variationen ermöglicht. Er ist vielseitig einsetzbar und kann zu köstlichen Gerichten verarbeitet werden. Ebenso beeindruckend ist seine lange Geschichte, die bis in die Vorgeschichte zurückreicht. So wurden beispielsweise in einem bronzezeitlichen Haus in Mesimeriani Toumpa im heutigen Trilofo unweit von Thessaloniki, das gegen Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. durch einen Brand zerstört wurde, in einem Tongefäß verkohlte Weizenreste gefunden. Diese waren in einer Flüssigkeit thermisch behandelt worden, die Milch oder Sauermilch gewesen sein könnte – eine der Zutaten für Trahanas. Der Weizen-Trahanas, den wir heute in Griechenland kennen, ist eine Kombination aus einem Milchprodukt, meist Milch oder Sauermilch, und gemahlenen Getreidekörnern. Dabei wird hauptsächlich Weizen verwendet – und zwar entweder ungekocht, wie der pontische Korkoto und der Chontros aus Kreta, oder in Form von Bulgur, d. h. vorgekochter geschroteter Weizen. Diese beiden Zutaten werden zusammen gekocht und mit der notwendigen Menge Salz als Konservierungsmittel versehen. Anschließend wird der Trahanas in der heißen Sommersonne getrocknet, um ihn lange haltbar zu machen.

Die Kombination von Getreide und Milchprodukten ist in antiken griechischen Texten in verschiedenen Formen überliefert. Die μάζα αμολγαίη, die wir in Hesiods Werke und Tage (8.–7. Jahrhundert v. Chr.) finden, ist eine Zubereitung auf der Basis von gemahlener Gerste und Milch. Wie in einem Auszug aus einem Werk von Pherekrates (5. Jahrhundert v. Chr.) zu lesen ist, wird auch Chondros, also grob geschroteter Weizen, als Zutat in einem Rezept verwendet und dabei in Milch eingeweicht. Hekataios von Abdera (4.–3. Jahrhundert v. Chr.) berichtet zudem, dass ägyptische Priester in Milch gekochten Chondros verzehrten. Aus den wenigen Berichten der Antike, in denen geschroteter Weizen oder gemahlene Gerste mit Milch vermischt, gekocht oder zu einer Masse geknetet wird, ist jedoch kein Rezept ersichtlich, das auf unseren heutigen Weizen-Trahanas hindeuten würde.

Der griechische Weizen-Trahanas ist ein vollwertiges Nahrungsmittel, das eine stärkehaltige Zutat (Weizen) und eine proteinhaltige Zutat (Milch oder Sauermilch) kombiniert. Diese werden mit minimalem Kochaufwand und somit minimalem Brennstoffverbrauch in eine schnelle, vollwertige Mahlzeit verwandelt. Trahanas wird in verschiedenen Formen serviert – beispielsweise in unregelmäßigen Stücken wie der kretische Xinochontros oder schalenförmig wie die Chachles aus Lesbos. Tatsächlich eignet sich das Lebensmittel perfekt für kleine Kinder oder auch ältere Personen, die Probleme beim Kauen haben. Man kann also durchaus sagen, dass dieses jahrhundertealte Rezept in Zeiten ohne Kühlschrank und Elektroherd das ideale Fast Food für alle Altersgruppen war, das sich zudem lange im heimischen Keller hielt!

*Anm.

Abbildung 2. Verkohlte Weizenkörner aus Mesimeriani Toumpa in der Nähe von Thessaloniki, etwa 2100–1900 v. Chr., Valamoti et al. 2019, Journal of Archaeological Science.