Soultana-Maria Valamoti, Professor, School of History and Archaeology, Aristotle University of Thessaloniki

Da das Meer das griechische Festland umgibt, ist es nicht verwunderlich, dass marine Nahrungsquellen bereits systematisch in archäologischen Fundstätten menschlicher Siedlungen aus dem 9. und dem 8. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen worden sind, also noch vor dem Aufkommen von Dörfern, die Ackerbau und Viehzucht betrieben.

Der Fischkonsum im antiken Griechenland wird häufig erwähnt, mit vielfältigen Hinweisen auf Fischarten, Fangtechniken, Herkunftsorte, Fangmethoden, Zubereitungsarten und konkrete Rezepte. Eine anschauliche Beschreibung der berühmten Fische der Antike findet sich im Werk „Hedypatheia“ des Archestratos (4. Jahrhundert v. Chr.), in dem er Fische aus Seen und Meeren der Antike vorschlägt, wie zum Beispiel Aale aus dem Kopaida-See und dem Fluss Strymonas, die Meeräschen aus Abdera, den Hundshai aus Rhodos, die Goldbrasse aus Delos oder Eretria und viele andere. Wie Athenaios in den Deipnosophistai (2.–3. Jahrhundert n. Chr.) bei der Analyse der Bezeichnungen für verschiedene Fische anmerkt, ist die genaue Identifizierung mancher Fischarten schwierig, wie beispielsweise für den Oberbegriff „galeoi“, der Arten mit unterschiedlichen Merkmalen umfasst, wie etwa dargelegt durch Aristoteles (4. Jahrhundert v. Chr.) oder Dorion in seinem Werk Über die Fische, wobei die Bezeichnungen der Arten je nach Epoche und Region in der Antike zu variieren schienen.

Abbildung 1.1.a Fische auf dem Fischmarkt in Thessaloniki, Oktober 2025. Foto von S. M. Valamoti

Für eine Fischart mit der Bezeichnung Karcharias zitiert Archestratos (4. Jahrhundert v. Chr.) ein, wie er es nennt, göttliches Rezept, für das man Filet aus dem Unterbauch dieser Art verwendet, welches in der Stadt Toronae, dem heutigen Toroni auf Chalkidiki, erworben werden kann. Laut Archestratos gibt man den Stücken des Karcharias nach dem Bestreuen mit Kreuzkümmel nur ein wenig Salz und lediglich Olivenöl hinzu. Wenn sie gar sind, so das Rezept des Archestratos, dann sollten sie mit Trimmation bestreut werden, also mit einer kleinen Menge Trimma, einer aromatischen Flüssigkeit aus gemahlenem Getreide und Gewürzen. Zum Braten auf der Rundung eines Lopados, also eines Kochtopfs oder einer Bratpfanne, so betont er, dass weder Wasser noch Essig hinzugefügt werden sollten, sondern nur Kreuzkümmel zusammen mit Öl und duftenden Blättern. Zum Braten weist er darauf hin, dass die Fische nicht in die Nähe der Glut kommen sollten und ständig von beiden Seiten gewendet werden müssen, damit sie nicht anbrennen.

Abbildung 1.1.b Sardinen auf dem Fischmarkt in Thessaloniki, Oktober 2025. Foto von S. M. Valamoti

Dieses Rezept zeugt von der Sorgfalt, mit der die gehobene Küche des antiken Griechenlands hervorragende Rohstoffe verwendete, und von dem profunden Wissen über die Techniken, einen Fisch in ein exquisites Gericht zu verwandeln. Auch heute noch stehen große Fische, wie schon im antiken Griechenland, im Mittelpunkt eines guten Mahls, und sie werden aufgrund ihres hohen Preises meist zu besonderen Anlässen serviert, was auch in der Antike der Fall war.

Literatur

Ein Teil der Informationen ist aus den folgenden Texten entnommen:

Dalby, A.E. W. 1996. Siren Feasts: A History of Food and Gastronomy in Greece

Mylona, Dimitra (2007) Fish-eating in Greece from the fifth century B.C. to the seventh century A.D. : a story of impoverished fisherman or luxurious fish banquets? University of Southampton, Doktorarbeit.

Rena Veropoulidou 2014. Όψεις της διατροφής και του υλικού πολιτισμού της Νεολιθικής και της Εποχής Χαλκού στην κεντρική Μακεδονία. Μια οστρεοαρχαιολογική προσέγγιση (Aspekte der Ernährung und materiellen Kultur im Neolithikum und der Bronzezeit in Zentralmakedonien: Erkenntnisse aus Muschelanalysen). Im Band E. Stefani, N. Merousis, A. Dimoula (Hrsg.), A century of research in prehistoric Macedonia. International Conference Proceedings. Archaeological Museum of Thessaloniki, 22–24 November 2012

und

Theodoropoulou, T. (2023). Same sea, different catches. Exploring ecological variations vs. Human choices in prehistoric Mediterranean: The Aegean case. PALEO. Revue d’archéologie préhistorique, (Sonderausgabe), 176–194.